Geschichte: Falsche Entscheidungen

Nach einem schönen Sommertag im August beschlossen die Freunde Marius und Milan den Abend und mindestens die halbe Nacht in der neuen Dorfdisko Star zu verbringen, um dort noch ein paar heiße Schnitten aufzureißen. Obwohl die Disko reichlich gefüllt war mit Mädchen in allen Nationalitäten fand keiner der beiden ein Objekt, welches die Begierde auch nur halbwegs befriedigen konnte. Die Mädels waren nicht älter als 20, was den beiden Männern, die selbst bereits zu den Mitdreißigern gehörten, eindeutig zu jung war.

Milan, ein gebürtiger Slowene, der seine gesamte Kindheit bereits in Deutschland lebte, bevorzugte seit Beginn seiner Pubertät reifere Frauen, die wussten was sie wollten und es sich auch nahmen. Während er auf der Brücke der Disko stand, über die man von einem Raum, in dem HipHop gespielt wurde, zum nächsten Raum, in dem Techno-Fans zu ihren Gunsten kamen, wechseln konnte, und zu einer Schar „gaggernder Hühner“ wie er sie nannte, hinüber sah, fiel ihm eine Strähne seines seidigen, bis zur Brust reichenden, braunen Haares vor seine grün-blauen Augen. Er beförderte die glänzende Haarsträhne mit einer heftigen Kopfbewegung wieder nach hinten, dabei fiel sein Blick auf Marius, der, am Brückengeländer gelehnt, rechts neben ihm stand und den Kopf gelangweilt mit seiner schmalen, blassen Hand stützte. Marius mochte jüngere Frauen, doch hier schien er auch nicht die passende zu finden. Während Milan, der gelernter Zimmermann war, einen eher kräftigen Körperbau hatte, war Marius ein schmächtiger, zarter Künstler, der jemanden brauchte, mit dem er lange Gespräche führen konnte und der Verständnis für seine Leidenschaft zum malen hatte. Eigentlich war es eine blödsinnige Idee ins Star zu gehen und Milan wusste auch gar nicht mehr, wer von den beiden den Diskobesuch vorgeschlagen hatte. Er stumpte seinen Freund mit den kurzen, schwarz-gelockten Haaren in die Seite und zeigte mit Handzeichen an, dass er nun gehen wolle. Milan nickte zustimmend und beide verließen das Gebäude, das ein Stück abseits des Dorfes in einer alten Kiesgrube stand.

Draußen war noch immer das dumpfe Schlagen der Technomusik zu hören. „Tja, war wohl nichts mit einem heißen Abend in der Disse. Das junge Gemüse dort muss erst noch reifen.“ Milan lachte über seinen eigenen Witz, während die beiden über den Parkplatz auf Milans Auto zugingen.

Plötzlich blieb Marius wie vom Donner gerührt stehen und starrte auf eine Blondine, die vor einem roten Ferrari in ihrer silbernen kleinen Handtasche wühlte. Milan folgte seinem Blick und begutachtete anerkennend den schlanken Körper der Fremden, der in einem hautengen, roten Kleid steckte, welches nicht einmal die Hälfte ihrer knackigen Oberschenkel zu bedecken schien. Unter dem dünnen Stoff zeichneten sich kleine, feste Brüste ab, die verrieten, dass ihre Besitzerin keinen BH trug. Die langen blonden Haare fielen ihr in großen Locken auf die Schultern und bedeckten die fast schon durchsichtige nackte Haut ihres Rückens. „Kennst du sie?“, fragte Milan seinen Freund, der den Blick nicht von der Schönheit vor ihnen abwenden konnte. „Ich habe sie in meinen Träumen gesehen“, antwortete dieser und fügte hinzu: „Ich habe sie gemalt. Immer wieder. In einem blumigen Sommerkleid an einem Hafen, nackt auf einer Blumenwiese liegend, von Laub bedeckt in einem Herbstwald... Unzählige Male, Milan, und nun steht sie vor mir. Einfach so.“ Solange Marius sprach hatte Milan ihn angesehen, nun blickte er wieder zu dem engelsgleichen Geschöpf und flüsterte Marius zu: „Na dann sprich sie doch an. Jetzt hast du die Chance dazu.“
„Was soll ich denn sagen?“ Erwiderte dieser und Milan runzelte ratlos die Stirn.

Während die beiden noch über die richtigen Worte nachgrübelten, hatte die Blondine den Autoschlüssel in ihrer Handtasche gefunden und sah Marius direkt ins Gesicht, als sie ihren Blick von der Tasche abwendete. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Mit samtener Stimme sprach sie die beiden an: „Hallo, weiß einer von euch wo ich hier ein Hotel finde?“ Mit großen unschuldig dreinblickenden Augen sah sie von einem zum anderen. Milan fand als erster seine Stimme wieder. „Ja klar. Marius, du kannst die Dame doch sicher zum ‚goldenen Löwen’ begleiten oder? Dann hast du es ja nicht mehr weit bis zu dir nach Hause und ich fahre gleich von hier aus Heim. Was sagst du?“ Auch Marius hatte wieder zu sich gefunden und reagierte schnell. „Natürlich, kein Problem. Dann mach’s mal gut, Milan, bis bald.“ Er klopfte Milan kurz auf die Schulter, zeigte auf den Beifahrersitz des Ferraris und fragte: „Darf ich?“ Die Blondine lächelte abermals und flötete mit einer einladenden Handbewegung: „Aber bitte doch.“ Dann waren beide im Auto verschwunden und Milan steuerte wieder auf seinen schwarzen Golf zu.

Schon bald hatte er seinen alten Dreier-Golf erreicht und drückte auf die Fernbedienung, die mal wieder nicht funktionierte. Seufzend schloss er seinen Wagen mit dem Schlüssel auf und öffnete die Türe, als er eine Stimme hinter sich vernahm: „Hey, schönes Auto. Ein Dreier-Golf Baujahr 97?“
Milan drehte sich zu der Stimme herum und blickte in rehbraune Augen, die umrandet waren von langen braunen Haaren, welche ihr Gesicht sehr blass, aber auch interessant wirken ließen. „Nein, 96.“ Antwortete er und blieb in der offenen Autotür stehen. Die leicht roten Lippen der Brünetten offenbarten ein blitzweißes Lächeln, dann fragte sie: „Kannst du mich mit runter ins Dorf nehmen? Du fährst doch da hin? Ich bin mit meiner Freundin hergekommen aber die ist spurlos verschwunden. Ich heiße übrigens Vanessa.“ Milan nahm ihre Hand, die sie ihm entgegen streckte und erschrak über die Kälte. Vanessa bemerkte seine Reaktion und flüsterte: „Die Nächte sind doch recht kühl und ich habe fast immer kalte Hände.“ Sie senkte den Kopf etwas und schielte mit einem kleinen, verlegenen Lächeln zu ihm hinauf. Obwohl sie jünger schien als er, war Milan von ihr fasziniert. Zwischen ihren übbigen Brüsten baumelte ein kleines, goldenes Kreuz. Ein richtiger Blickfang, fand Milan. Sie trug eine lange weiße Jeans und ein weit ausgeschnittenes schwarzes Oberteil, das locker über ihre ausladenden Hüften fiel. „Steig ein“ raunte er ihr zu und sie drehte sich flink von ihm weg, um mit ihren schwarzen Stöckelschuhen zur Beifahrerseite zu schreiten. In Milans Magengegend rührte sich ein Gefühl freudiger Erregung.

*

Unterdessen waren Marius und die Blondine, die sich mit Tamara vorgestellt hatte, kurz vor dem Hotel angelangt. Tamaras kehliges Lachen lief Marius warm über den Rücken. „Marius, ich danke dir für diese wundervollen Minuten. Ich hatte lange keinen so guten Gesprächspartner mehr. - Und du wohnst also hier in der Nähe?“
„Ja, zwei Straßen weiter ist mein Atelier und da wohne ich auch.“ Marius wies in die Richtung, in der sein spärliches Heim lag. „Sag mal, Marius, wie wäre es, wenn ich einfach bei dir übernachten würde? Wir könnten doch noch ein wenig Spaß haben.“ Im ersten Augenblick blieb Marius die Stimme weg. Nach einem kurzen Räuspern antwortete er mit belegter Stimme: „Okay, warum nicht?“ Tamara quittierte seine Antwort mit einem erneuten Lachen und folgte seiner Wegbeschreibung, bis sie an seinem Atelier angekommen waren.

Das Atelier bestand aus kaum mehr als nötig war. Gleich zu sehen waren zwei Staffeleien mit weißen Leinwänden, die sich in der Mitte des Raumes befanden, an den Wänden standen bereits gemalte Bilder auf dem Boden und rechts hinten stand ein Bett, das man hinter einem dicken roten Vorhang verstecken konnte. Zwei Kochplatten standen links auf dem Boden, der weiße Kühlschrank daneben. >> Vermutlich leer<< dachte Tamara bei einem Blick auf den alten Kühlschrank mit eingebauten Gefrierfach, die leise vor sich hin brummten, als würden sie sich unterhalten.
Nun ließ sie ihre Augen über Marius gleiten und war sich bei seinem Anblick sicher, dass sie  ein leichtes Spiel mit ihm haben würde. Wieder huschte ein Lächeln über ihr symmetrisches Gesicht und sie ging langsam, mit schwingenden Hüften auf ihr Opfer zu, das noch nichts von dem ahnte, was ihm gleich widerfahren würde.
Marius’ Herz schlug schneller, als er Tamara auf sich zukommen sah. >>Was nun? Gentlemen sein oder...<< Er kam nicht dazu den Gedanken zu Ende zu spinnen, denn Tamara drückte ihn sanft auf den großen braunen Holztisch vor dem Küchenbereich, an dem Marius gelehnt hatte. Sie küsste ihn erst zaghaft auf den Mund, dann immer verlangender, ihre Lippen pressten sich auf die seinen und ihre Zunge schob sich vor, spaltete seine Lippen und glitt wild in seinen Mund, um seine Zunge zu umgarnen, zu locken, so, dass sie in ihren Mund kam. Kaum war dies geschehen, biss sie ihm mit ihren scharfen Zähnen seine Zunge ab, schluckte sie herunter und fühlte fast im gleichen Moment wie der Körper unter ihr sich verkrampfte. Marius versuchte instinktiv die Angreiferin von sich zu stoßen, doch Tamaras Oberschenkel pressten sich fester um seine Hüften und ihre Hände drückten den, nur mit einem offenen kurzärmligen Hemd bekleideten, Oberkörper ihres Opfers auf die harte Tischplatte zurück. Tamaras Lippen drückten sich noch immer auf die, vor Schmerz zitternden, Lippen von Marius um das Blut zu trinken, das unaufhörlich aus seinem Mund strömte. Seine Arme schlugen wie wild um sich und trafen Tamara unsanft an der Seite. Reflexartig fuhr sie von ihm hoch, packte seinen Arm und riss ihn im Handumdrehen heraus. Der Arm flog an eine der Staffeleien und warf sie um, doch darum kümmerte sich Tamara schon nicht mehr. Ihre Gier nach warmen Blut war zu groß und lies sie ihre Reißzähne, die wie auf Befehl hinter ihren Eckzähnen hervorstießen, tief in Marius’ Halsschlagader fahren.

Das rote Lebenselixier spritzte ungehalten über die jungfräuliche Leinwand der, noch stehenden Staffelei und wirkte wie Farbe, die in zu großen Mengen über das nichtssagende Weiß geschüttet wurde.

Während Tamara mit großen, undisziplinierten Schlucken trank, fühlte Marius, wie das Leben aus seinem Körper rann. Seine Schmerzen wurden schwächer und sein Herzschlag, den er kurz zuvor so laut und kraftvoll in seinen Ohren wahrgenommen hatte, verlangsamte sich. >>Warum hat diese Frau so viel Kraft? Was geschieht hier?<< , dachte er noch, dann trat mit seinem letzten Atemzug seine Seele aus seinem Körper und verlies für immer das kleine, blutverspritzte Atelier.

Tamara ließ gesättigt von ihrem Opfer ab, trug es auf das Bett, zog den roten Vorhang davor und schritt auf den tropfenden Wasserhahn der Spüle zu, um sich zu waschen. Befriedigt sah sie dem Blut nach, das im Abfluss, gemeinsam mit dem kalten Wasser, verschwand. Kurz darauf sah sie aus als ob nichts geschehen wäre. Sie schnappte sich ihre Handtasche und zog die Türe hinter sich zu, als sie das Atelier verließ, um zu ihrem Wagen zu gehen. Dies war wieder eine erfolgreiche Nacht gewesen.

*

Milans Golf brummte laut vor sich hin, als Vanessa und er durch den dichten Mischwald fuhren, der das Star von seinem Heimatort trennte. „Kannst du da vorne kurz raus fahren?“, fragte Vanessa zaghaft und deutete auf einen Weg, der in den Wald führte. Milan setzte verwundert den Blinker und bog, den Straßenasphalt verlassend, in den weichen Waldbodenweg ab. „Was hast du vor?“, fragte er sie und sah kurz zu ihr herüber. „Fahr noch ein kleines Stück ja? Ich liebe den Wald bei Nacht.“ Milan schüttelte mit gerunzelter Stirn den Kopf, fuhr jedoch weiter, bis sie weit weg von der Straße waren und Vanessa ihn bat zu halten. „Und nun?“ Fragte Milan, voll freudiger Erwartung, während er den Motor ausmachte und aus Gewohntheit den Schlüssel abzog. „Gibst du mir zuvor noch den Schlüssel?“ Fragte Vanessa und setzte, als sie seinen verständnislosen Gesichtsausdruck sah, hinzu: „damit du nicht einfach abhauen kannst und mich hier stehen lässt, ganz allein und hilflos.“ Sie sah ihn mit großen, kindlichen Augen an. „Na gut, wenn du meinst..., aber ich würde dich auf keinen Fall hier alleine zurücklassen.“ Meinte Milan schmunzelnd und überreichte ihr seinen Autoschlüssel. „Gut, danke, dann lass uns jetzt aussteigen.“
„Aussteigen? Mitten in der Nacht und im Wald?“
„Ja, komm.“ Kicherte Vanessa und Milan folgte ihr verwundert. „Und was steht jetzt auf dem Plan, wundersame Lady?“ Fragte er amüsiert. „Jetzt“, Vanessa holte tief Luft: „Jetzt spielen wir.“ Sagte Vanessa und entblößte dabei zwei lange, blitzende Eckzähne, größer als die eines Wolfes. „Beeil dich, ich gebe dir zehn Sekunden Vorsprung!“ Sie legte den Kopf in den Nacken und lachte laut in die Dunkelheit hinein. Milan war starr vor Schreck, nur zögerlich begriff er, dass er keine normale Frau vor sich hatte. >>Er kannte Geschichten aus Slowenien, die von Untoten erzählen, welche den Lebenden das Blut aussaugen. Aber hatten diese Wesen nicht Angst vor Kreuzen? Ja, genau, Kreuze verbrannten sie! Warum funktionierte das nicht mit dem Kreuz, das die Untote trug?<< „Ich glaub’s ja nicht! Du solltest weglaufen statt über alte Legenden nachzudenken! Aber gut, ich lasse dich nicht komplett unwissend sterben. Erstens: Ja, ich kann deine Gedanken lesen, jedes Wort. Zweitens: Ja, ich ernähre mich von menschlichem Blut. Siehst du meine hübschen Beißerchen hier? Mit denen kann ich jede Pulsschlagader deines Körpers aufreißen und mich am Blut laben. Und das mit den Kreuzen, nun das ist reiner Humbug. Ihr Menschen solltet euch mal genau überlegen, was ihr von euch gebt!“ Vampire, wie ihr uns nennt, schrecken vor Kreuzen zurück und verbrennen bei Berührung, aber sie leben auf dem Friedhof, wo alles voller Kreuze ist! Was ist das denn für eine Logik? Und mal davon abgesehen sind Kreuze eine Erfindung der Menschen. Ein Symbol ist keine Waffe. Das Gleiche gilt übrigens für Weihwasser und geweihte Erde. So, nun haben wir genug geplaudert. Lauf und versuch dein mickriges Leben zu retten!“

Diesmal tat Milan, was sie sagte. So schnell ihn seine Beine tragen konnten, stolperte er durch den finsteren Wald, über Stöcke und Steine, Farn und stets nassen Wurzeln.

Er wusste nicht, wie weit er gerannt war, als seine Kräfte zu schwinden schienen. Er bleib stehen, um zu lauschen, ob die Vampirin ihn noch verfolgte, doch er hörte nur sein eigenes Herz, das erbarmungslos gegen seinen Brustkorb hämmerte und seinen unregelmäßigen, keuchenden Atem.

Doch was war das?! Ein Fauchen hallte durch den Wald, wie das einer Raubkatze, dicht gefolgt vom knurren eines riesigen Wolfes. Milan wollte weiter rennen. Immer weiter, das Dorf konnte doch nicht mehr weit sein, da schlang sich ein schmaler, aber dennoch starker Arm um seine Taille und warf ihn nach hinten gegen eine dicke, alte Eiche. Er hatte die Augen geschlossen und versuchte seinen Atem zu kontrollieren, doch es gelang ihm kaum. Als er die Augen wieder öffnete, sah er in das, vom Jagdfieber gepackte, Gesicht des Todesengels. Vanessa drückte in Sekundenschnelle ihre Daumen in seine, vor Angst geweiteten, Augen und drückte ihm mit Leichtigkeit die Augäpfel in den Kopf. Nun packte sie ihn an der Schulter, flüstere ihm ins Ohr: „Lauf“, und stieß den Verzweifelten von sich weg. Milan konnte kaum klar denken, doch seine Beine trugen ihn tapfer weiter durch den Wald und seine Arme umfassten die Bäume und suchten dort Halt. Blätter und Nadelzweige peitschten ihm ins Gesicht, er wusste nicht mehr, in welche Richtung er lief. >>Wo war das grausame Monster?!<< Da, plötzlich stolperte er über eine Baumwurzel, die zu weit aus dem Waldboden herausragte. Er knallte zu Boden, versuchte sich mit den Händen abzustützen und stach sich einen Ast direkt durch seine rechte Handfläche. Milan wollte aufschreien, doch Angst und Schmerz schnürten ihm die Kehle zu. >>Ich muss weiter<<, sagte etwas in ihm >>immer weiter!<<
Seine Hände tasteten sich schnell über den unebenen Boden, als er auf allen Vieren einem ungewissen Ziel entgegen krabbelte. >>Was war das? Waren das nicht Autos? War das nicht die Straße? Schneller, schneller, du schaffst es!<< sagte die Stimme im Kopf zu ihm. Da, seine Hände berührten Asphalt! >>Gerettet, -  gerettet!<< Dachte er noch, während eine Hand sein Shirt packte, ihn hoch zerrte und sich gleich darauf in seinen Haaren verkrallte, um ihn so wieder in den Wald zu schleppen. „Genug gespielt!“ Sagte das Ungeheurer, riss ihm den linken Ärmel ab und schlug die Zähne mit aller Gewalt in die dicke pulsierende Vene des Oberarms. Vanessa trank drei Züge, setzte ab und sagte zu Milans Gesicht gewandt: „Danke, dass du dich verletzt hast. So konnte ich dem Duft deines Blutes folgen, sonst hätte ich dich beinah verloren. Ich war wohl zu nachlässig und hätte dir nicht so viel Vorsprung lassen sollen.“ Blutroter Geifer rann ihr die Mundwinkel hinab und tropfte auf die nackte Wölbung ihrer Brust und ihr Lachen schallte laut durch den menschenverlassenen Wald.

Milan wusste nicht, woher er die Kraft nahm, doch als er einen dicken Stock zu greifen bekam, schlug er mit aller Gewalt in die Richtung, aus der er die Stimme vernahm. „Au!“ Schrie die Vampirin und ließ von ihm ab. Milan rabbelte sich auf, folgte wieder dem Drang zu entkommen, seine Beine knickten ein, wieder landete er auf den Knien die abrutschten, so, dass er schließlich der Länge nach mit dem Bauch auf dem Boden lag, der sich mehr und mehr mit Milans Blut tränkte.

Es war vorbei. Die Vampirin hatte ihm seinen kostbaren Lebenssaft geraubt.

Vanessa erholte sich schnell wieder von dem Schlag, trat testend gegen den Leichnam, lauschte, ob noch ein Hauch von Leben in ihm war, zuckt mit den Schultern und machte sich, die Wärme, die nun ihren Körper durchfloss, genießend, auf den Weg zur Hauptstraße, auf der sie kurze Zeit davor noch das schutzbedürftige Mädchen gespielt hatte. Ihre Gedanken konzentrierten sich jetzt auf ihre Freundin Tamara: >>Tamara, kannst du mich hören? Ich bin hier an der Hauptstraße. Du kannst mich abholen, wenn du fertig bist.<<
>>Bin schon unterwegs, Liebes<< Kam die Antwort in Vanessas Kopf an.

Einige Minuten später hielt ein roter Ferrari am Waldrand, eine Brünette stieg zu einer Blondine ins Auto und beide fuhren mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause.











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